Der Hafen wird zum Atelier
In Burgas machen junge Künstler den Hafen zum Freiluftatelier. Das Festival „Das tiefblaue Meer“ verbindet Malerei, Film und Literatur – und schlägt einen Bogen zum ESC 2027.
In einem Hafen werden Schiffe beladen, Waren gelöscht und Reisen vorbereitet. In Burgas kommen in dieser Woche noch ganz andere Dinge in Bewegung: Ideen, Farben, Geschichten und Musik. Beim Festival „Das tiefblaue Meer“ treffen junge Menschen zusammen, die ihre Kunst nicht nur zeigen, sondern gemeinsam weiterentwickeln wollen.
Am Montagabend stand in der Magazia 1 direkt am Hafen die Eröffnung des siebten Festivals auf dem Programm. Schülerinnen und Schüler der Musikschule „Prof. Pantscho Wladigerow“ waren für den musikalischen Auftakt angekündigt. Heute, am Dienstagmorgen, beginnt um 10 Uhr das gemeinsame Arbeiten unter freiem Himmel. Beim Pleinair werden der Hafen, das Meer und das Leben am Kai zu möglichen Motiven.
Die Idee zu dem Festival entstand einst bei einem Gespräch zwischen drei Menschen, denen die Kultur ihrer Stadt am Herzen liegt: der Kulturverantwortlichen Diana Sawatewa, der Leiterin des Kulturzentrums Meereskasino, Ljudmila Kutiewa, und dem Maler Swetosar Bentschew. Sie wollten junge Menschen verschiedener Kunstsparten zusammenbringen, damit sie sich austauschen und voneinander lernen können. Bentschew leitet heute die Burgaser Außenstelle der Nationalen Kunstakademie und gehört damit auch zu den Gastgebern dieser Festivalwoche.
Der Ort erzählt seine eigene Geschichte. Die Magazia 1 war ein Hafenspeicher, wurde 2016 umgebaut und beherbergt seit 2018 Ateliers und Unterrichtsräume der Nationalen Kunstakademie. Draußen geht das Hafenleben weiter, während drinnen und davor gezeichnet, gemalt und diskutiert wird. Hier begegnen sich Arbeitsalltag und künstlerischer Alltag auf wenigen Metern.
Gleich bei der Magazia 1 legen auch die Schiffe zur Insel Sweta Anastasia ab. Am Mittwoch und Donnerstag führt das Festival die Teilnehmenden hinaus aufs Schwarze Meer. Dort wird erneut unter freiem Himmel gearbeitet; am Donnerstag kommt eine Schreibwerkstatt für junge Autorinnen und Autoren hinzu. Schon die Überfahrt verändert den Blick: Aus der Ansicht des Hafens wird eine Ansicht vom Wasser aus.
Andere Teilnehmende beschäftigen sich mit bewegten Bildern. Am Mittwoch leitet der Filmemacher Kiril Todorow im Kulturzentrum Meereskasino einen Meisterkurs für kurze Videos. Er kennt auch die internationale Filmwelt: Als Spezialist für visuelle Effekte war er an Produktionen wie „Black Adam“ und „Terminator: Dark Fate“ beteiligt. Die Ergebnisse des Workshops sollen am Donnerstagabend gezeigt werden.
Am Freitag stehen weitere Mal- und Literaturwerkstätten auf dem Programm, außerdem ein Konzert von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften der Musikschule. Den Abschluss bildet am Samstag eine literarische Matinee. So begegnen sich während der sechs Festivaltage Zeichnung, Musik, Film und das geschriebene Wort – nicht als getrennte Welten, sondern als verschiedene Möglichkeiten, etwas zu erzählen.
Über der diesjährigen Ausgabe steht das Motto „Die Eurovision-Emotion in Burgas“. Dahinter steckt ein außergewöhnlicher Erfolg: Im Mai gewann die bulgarische Sängerin DARA mit „Bangaranga“ den Eurovision Song Contest in Wien – der erste Sieg ihres Landes. Nun richtet Burgas im Mai 2027 den Wettbewerb aus; das Finale ist für den 15. Mai in der Arena Burgas geplant. Eine große internationale Bühne rückt also näher an die Stadt am Schwarzen Meer.
Burgas bewirbt sich zugleich um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2032. Während die Vorbereitungen auf das große Musikereignis laufen, schaffen junge Menschen beim Festival längst ihre eigenen Werke. Dafür brauchen sie weder ein Millionenpublikum noch eine riesige Bühne. Manchmal genügen ein Blatt Papier, ein paar Farben und ein Platz am Meer.