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Europäische Kultur entdecken · 23. September 2026

Ein Tor, das Europa gemeinsam baut

23 Schulen aus zwölf Ländern arbeiten ein Jahr lang zusammen. Beim Around Europe Festival in Pombal wird sichtbar, was daraus entstanden ist – vom gemeinsam gebauten European Arch bis zu neuen Partnerschaften für kommende Projekte.

Illustration einer Werkstatt: Jugendliche arbeiten gemeinsam an einer großen Holzkonstruktion mit einem hohen Rundbogen; einige halten und verschrauben Bauteile, andere arbeiten an Werkbänken und Plänen.
Gemeinsam an einem Durchgang bauen: Die Illustration greift die Arbeit am European Arch frei auf und zeigt keine dokumentarische Szene aus der Werkstatt in Pombal. Bildquelle: ISKRA SMOKA unter Verwendung künstlicher Intelligenz

In einer Werkstatt wächst eine Wand aus Holz in die Höhe. Sie ist höher als die Jugendlichen, die daran arbeiten. Große Platten werden zugeschnitten, ausgerichtet und miteinander verbunden. In der Mitte entsteht ein Rundbogen – ein Durchgang durch die Wand.

Wer das Logo des Around Europe Festival kennt, könnte die Form wiedererkennen. Auch dort steht ein Torbogen im Mittelpunkt. Nun wird aus dem Zeichen ein echtes Bauwerk: der European Arch.

Vom 23. bis 25. September treffen sich im portugiesischen Pombal rund 250 junge Menschen aus 23 Schulen. Sie kommen aus zwölf Ländern: Portugal, Frankreich, Deutschland, Spanien, der Ukraine, Griechenland, der Türkei, Tschechien, Litauen, Italien, Finnland und Kroatien. Drei Tage lang wollen sie zeigen, woran sie zuvor gemeinsam gearbeitet haben.

Der Torbogen passt zum Motto des Festivals: „Walls divide. Bridges unite.“ – Mauern trennen. Brücken verbinden. Ausgerechnet eine große Wand aus Holz trägt diese Botschaft. Doch die Wand bleibt nicht geschlossen. In ihrer Mitte entsteht ein Weg hindurch.

Ein Festival beginnt lange vor dem Festival

Die Zusammenarbeit der Schulen hat nicht erst in Pombal begonnen. Schon während des Schuljahres haben Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte über Ländergrenzen hinweg zusammengearbeitet – online und bei europäischen Begegnungen. In Pombal kommen die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen.

Dabei geht es nicht nur um Kunst oder Fremdsprachen. Jugendliche bringen ganz unterschiedliche Fähigkeiten mit. Einige lernen in Bereichen wie Bau und Gestaltung, andere beschäftigen sich mit digitalen Medien, Kommunikation, Gastronomie oder Kulturvermittlung. Auf dem Festival kommen Workshops, Ausstellungen, Aufführungen und praktische Projekte hinzu. Auch Sport, Robotik und andere MINT-Themen gehören zum Programm.

Die Jugendlichen sind dabei nicht einfach Gäste einer Veranstaltung, die Erwachsene für sie vorbereitet haben. Sie entwickeln selbst Ideen, gestalten Programmpunkte und führen Workshops durch.

Was bedeutet eigentlich „Mobilität“?

Wer sich mit Erasmus+ beschäftigt, begegnet schnell einem etwas merkwürdigen Wort: Mobilität. Damit ist nicht gemeint, dass jemand besonders beweglich sein soll. Eine Erasmus+-Mobilität ist eine Reise im Rahmen eines gemeinsamen Bildungsprojekts. Schülerinnen und Schüler oder Lehrkräfte fahren beispielsweise für einige Tage zu einer Partnerschule in einem anderen europäischen Land und arbeiten dort gemeinsam.

Solche Begegnungen gehören auch zur Vorgeschichte des Festivals in Pombal. Die beteiligten Schulen haben während des Schuljahres nicht nur aus der Ferne zusammengearbeitet, sondern ihre gemeinsame Arbeit auch bei europäischen Mobilitäten weiterentwickelt.

Das verändert den Blick auf die drei Festivaltage. Pombal ist nicht der Ort, an dem die Zusammenarbeit beginnt. Das Festival macht sichtbar, was über viele Monate und über Ländergrenzen hinweg entstanden ist.

Und dabei kann etwas geschehen, das in keinem Projektplan vollständig vorausgeplant werden kann: Menschen lernen nicht nur etwas über andere Länder, sondern arbeiten tatsächlich miteinander.

Wenn man plötzlich dieselbe Schraube meint

Und wer gemeinsam arbeitet, muss sich auch verständigen.

Welche Sprache benutzt man in einer europäischen Werkstatt für „Halt das mal fest“, „ein Stück höher“ oder „passt das so“? Englisch kann eine gemeinsame Sprache sein. Doch bei einer Zusammenarbeit von Jugendlichen aus zwölf Ländern dürften auch viele andere Wörter ihren Weg durch Werkstätten, Videokonferenzen, Workshops und Pausen finden.

Man kann zeigen, auf etwas deuten, ein Wort nachschlagen oder jemanden fragen. Vielleicht bleibt gerade das Wort hängen, das man fünf Minuten vorher noch nicht kannte, weil man es in diesem Moment wirklich brauchte.

Manchmal beginnt sprachlicher Austausch genau dort, wo niemand eine Vokabelliste vorbereitet hat: weil man gemeinsam etwas schaffen möchte.

Das gilt nicht nur für den European Arch. Wer gemeinsam ein Plakat gestaltet, eine Präsentation vorbereitet, programmiert, kocht, musiziert oder eine Veranstaltung organisiert, braucht unterschiedliche Fähigkeiten. Nicht jeder muss dasselbe besonders gut können. Gerade darin liegt eine Stärke solcher Projekte.

Drei Tage, in denen die Arbeit sichtbar wird

Am 23. September beginnt das eigentliche Festival mit europäischen Workshops, einer Parade und einem künstlerischen Abend. Am zweiten Tag folgen weitere Workshops und ein Abend mit besonderem Schwerpunkt auf der Ukraine. Der letzte Tag gehört unter anderem einem europäischen Jugendforum und neuen Begegnungen zwischen Schulen.

Damit werden die drei Tage in Pombal zu etwas anderem als einer gewöhnlichen Schulveranstaltung. Was vorher über Bildschirme, Reisen, Werkstätten und Klassenzimmer verteilt war, befindet sich plötzlich an einem Ort.

Und auch der European Arch soll dann nicht mehr aus einzelnen Holzteilen bestehen. Jugendliche aus verschiedenen Teilen Europas bauen gemeinsam an einem großen Durchgang, durch den am Ende tatsächlich Menschen gehen können.

Das ist ein ziemlich handfestes Symbol für europäische Zusammenarbeit.

Nicht nur für die 23 Schulen

Das Festival beschäftigt sich auch mit größeren Fragen: Frieden, Ausgrenzung, Desinformation, Nachhaltigkeit und Solidarität. Ein eigener Programmschwerpunkt ist der Ukraine gewidmet.

Am dritten Tag richtet sich der Blick schließlich nach vorn. Zum Programm gehören ein europäisches Jugendforum sowie „European Meetings & Partnerships“ und ein Erasmus+ Matching Day. Dort können aus Begegnungen neue Kontakte und möglicherweise neue gemeinsame Projekte entstehen.

Das macht Pombal auch für Lehrkräfte interessant, deren Schule diesmal gar nicht dabei ist.

Denn europäische Schulprojekte müssen nicht als fertige Idee irgendwo auf einem Schreibtisch in Brüssel entstehen. Schulen können selbst Themen entwickeln, Partner suchen und gemeinsam überlegen, was ihre Schülerinnen und Schüler beitragen können. Erasmus+ schafft Möglichkeiten, solche Kooperationen zu unterstützen.

Dafür braucht es nicht unbedingt eine „Europa-AG“. Ein gemeinsames Projekt kann beim Handwerk beginnen, bei Musik oder Theater, bei Robotik, Kochen, Geschichte, Umweltfragen, Medien oder Sprachen. Entscheidend ist, dass Jugendliche verschiedener Schulen etwas miteinander tun.

Auch die Bilder aus der Werkstatt in Pombal können deshalb mehr sein als ein Bericht über ein Festival. Beim Anblick kann eine Lehrerin oder ein Lehrer auf die Idee kommen, mit der eigenen Schule ein Projekt zu entwickeln und Partner dafür zu suchen. Aus dem Gedanken „Das könnten unsere Schülerinnen und Schüler auch“ kann so der Anfang einer neuen Zusammenarbeit werden.

Dann hätte der European Arch tatsächlich einen weiteren Durchgang geöffnet.