Viele Länder, ein Orchester: Junge Musiker des Westbalkans spielen gemeinsam in Ohrid
Sie kommen aus verschiedenen Ländern, sprechen unterschiedliche Sprachen und haben ihre musikalische Ausbildung an verschiedenen Orten begonnen. Am 17. August sitzen sie gemeinsam auf einer Bühne am Ohridsee.
Ein Orchester beginnt nicht mit dem ersten Ton des Konzerts. Es beginnt viel früher: beim Stimmen der Instrumente, bei Proben, bei Blicken zum Dirigenten und vor allem beim Zuhören auf die Menschen nebenan.
Erst zuhören, dann spielen
Für das Western Balkans Youth Orchestra bekommt dieses alltägliche Prinzip eine besondere Bedeutung. Das projektbezogene Orchester bringt junge Musikerinnen und Musiker aus dem Westbalkan zusammen und erweitert seinen Kreis in diesem Jahr auch um Teilnehmende aus weiteren europäischen Ländern. Am 17. August um 21 Uhr spielt das Ensemble im Dolni Saraj beim Ohrid Summer Festival.
Altes Repertoire, neue Stimmen
Das Sommerprojekt trägt den Titel „Be Embraced & Music of Today“. Schon der zweite Teil ist wichtig. Auf dem Programm stehen nicht nur Werke etablierter europäischer Komponisten wie Paul Dukas, George Enescu, Ottorino Respighi und Richard Wagner. Das Orchester spielt auch neue Kompositionen und Werke junger Komponistinnen und Komponisten aus dem Westbalkan.
Damit wird die Region nicht nur durch Musik sichtbar, die längst Teil des klassischen Repertoires geworden ist. Junge Menschen aus dem Westbalkan bringen ihre eigenen musikalischen Ideen in dasselbe Konzert ein.
Vor der Tour arbeitet das Orchester mehrere Wochen gemeinsam an diesem Programm. Proben, Unterricht und musikalischer Austausch gehören ebenso dazu wie die anschließenden Auftritte. Ohrid ist eine Station auf einer Konzertreise, die mehrere Länder der Region miteinander verbindet.
Gemeinsamkeit heißt nicht Gleichheit
In einem Orchester bedeutet Gemeinsamkeit nicht, dass alle dasselbe tun. Eine Oboe bleibt eine Oboe, ein Kontrabass klingt nicht wie eine Violine. Mal trägt eine Instrumentengruppe die Melodie, mal begleitet sie, mal schweigt sie. Gerade diese Unterschiede machen den gemeinsamen Klang möglich.
Vielleicht liegt darin auch der besondere Reiz dieses Projekts. Die Musiker kommen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen, Ausbildungswegen und musikalischen Erfahrungen. Dass eine solche Zusammenarbeit in der Region auch eine historische Dimension hat, gehört zum Hintergrund des Orchesters. Doch im Mittelpunkt steht nicht die Vergangenheit, sondern das, was heute entsteht: junge Musiker, die gemeinsam proben, reisen und auftreten.
Wenn aus vielen Stimmen ein Klang wird
Am 17. August geht es in Ohrid zunächst einmal um Musik.
Niemand im Publikum muss in jedem Takt eine politische Botschaft suchen. Dukas, Enescu, Respighi, Wagner und die neuen Werke junger Komponistinnen und Komponisten dürfen einfach spannend, überraschend, kraftvoll oder leise sein.
Und trotzdem erzählt schon die Besetzung des Orchesters etwas. Auf einer Bühne sitzen junge Menschen, deren Herkunftsländer oft getrennt voneinander betrachtet werden. Für einen Konzertabend treten sie nicht als nationale Gruppen auf, sondern als Streicher, Holzbläser, Blechbläser und Schlagzeuger. Es gibt Einsätze, Pausen und gemeinsame Akkorde.
In unseren Augen liegt gerade darin die schöne Botschaft dieses Projekts: Gemeinsam musizieren heißt nicht, Unterschiede verschwinden zu lassen. Es heißt, ihnen einen Platz im selben Stück zu geben – und aufmerksam genug zu sein, damit daraus gemeinsam Musik wird.