Wenn die Erinnerung aufs Wasser geht
Malta feiert am 8. September den Victory Day – zwischen Fort St Angelo, mehreren Schichten Geschichte und einer Regatta im Grand Harbour. Wer den Booten folgt, landet schnell bei 1565, Napoleon und dem Zweiten Weltkrieg.
Im Grand Harbour von Malta wird es am 8. September eng. Schmale, bunt bemalte Ruderboote ziehen über das Wasser, Mannschaften kämpfen um jeden Meter und von den Bastionen des Fort St Angelo lässt sich das Rennen weit über den Hafen verfolgen.
Doch wer nur auf die Regatta schaut, sieht nur die jüngste Schicht einer Geschichte, die an diesem Tag weit zurückreicht.
Der 8. September heißt auf Malta Victory Day – Jum il-Vitorja. Dabei erinnert der Tag nicht nur an einen einzigen Sieg. Mehrere Ereignisse aus ganz unterschiedlichen Jahrhunderten haben sich mit demselben Datum verbunden.
Eine Insel im Zentrum des Mittelmeers
1565 wurde Malta zum Schauplatz einer der bekanntesten Belagerungen der europäischen Geschichte. Das Osmanische Reich versuchte, die Insel zu erobern. Malta war klein, seine Lage aber alles andere als unbedeutend: Wer seine Häfen kontrollierte, besaß einen wichtigen Stützpunkt mitten im Mittelmeer.
Auf der Insel herrschte damals der Johanniterorden. Gemeinsam mit maltesischen Verteidigern hielt er der monatelangen Belagerung stand. Fort St Angelo, das noch heute über dem Grand Harbour liegt, war dabei einer der entscheidenden Verteidigungspunkte.
Anfang September trafen schließlich Truppen aus Sizilien ein, die den Verteidigern zu Hilfe kamen. Kurz darauf zogen die osmanischen Truppen ab. Der 8. September wurde zum Tag des Sieges.
Wer heute auf den Mauern von Fort St Angelo steht, schaut deshalb nicht einfach von einer hübschen alten Festung auf den Hafen. Er steht an einem Ort, der selbst Teil der Geschichte ist.
Ein Datum, das schon vorher besonders war
Doch der 8. September hatte auf Malta bereits eine Bedeutung: An diesem Tag wird das Fest der Geburt Mariens gefeiert. Auf Maltesisch begegnet einem dafür häufig der Name Il-Bambina.
Bis heute feiern mehrere Orte auf Malta und Gozo diesen Tag mit ihren eigenen Festen. Religiöse Tradition und historische Erinnerung haben sich dadurch über Jahrhunderte miteinander verbunden.
Und dann bekam der 8. September noch eine weitere Bedeutung.
1943 – wieder Krieg um Malta
Im Zweiten Weltkrieg wurde Maltas Lage im Mittelmeer erneut strategisch wichtig. Die damals britische Insel lag zwischen dem von Italien beherrschten zentralen Mittelmeer und den Kriegsschauplätzen in Nordafrika. Malta wurde massiv aus der Luft angegriffen und zeitweise nahezu von der Versorgung abgeschnitten.
Am 8. September 1943 wurde der Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten öffentlich bekannt. Für Malta war damit nicht plötzlich der gesamte Krieg vorbei. Nach Jahren der Bombardierungen und Entbehrungen bedeutete die Nachricht aber einen entscheidenden Wendepunkt.
So liegen auf einem einzigen maltesischen Feiertag heute Erinnerungen an 1565 und 1943, verbunden mit einem religiösen Fest, das noch älter ist.
Wer weiterforschen möchte, stößt sogar noch auf eine weitere Jahreszahl: 1800. Sie führt zu Napoleon, einer französischen Besatzung Maltas – und zu einem Aufstand der Malteser.
Und heute? Ab ins Boot.
Am 8. September 2026 wird Fort St Angelo wieder zum Mittelpunkt der Feierlichkeiten. In den Kapellen der Festung finden Gottesdienste statt, am Denkmal für den Sieg von 1565 wird der Vergangenheit gedacht und am Nachmittag lassen historische Darsteller frühere Zeiten lebendig werden.
Draußen vor den Mauern übernimmt unterdessen die Gegenwart.
Im Grand Harbour findet die National Regatta statt. Von Fort St Angelo aus können Besucher die Ruderwettkämpfe beobachten – vor derselben Hafenlandschaft, um die vor Jahrhunderten gekämpft wurde.
Für viele ist gerade das das Spannende am Victory Day. Geschichte bleibt hier nicht ausschließlich hinter Museumsglas und auf Gedenktafeln. Festung, Religion, Familienfest, Sport und historische Erinnerung liegen an einem einzigen Tag nebeneinander.
Auf Malta lebt die Erinnerung nicht nur in Denkmälern. Am 8. September geht sie auch aufs Wasser.